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Stratholme

Eines Tages erreichte Girion ein Brief, während er in der Burg zu Herdweiler an einem Schreibtisch saß und auf eine Karte Lordaerons blickte, welche über einen Haufen von Rollen ausgebreitet worden war. Der Bote, der den Brief gebracht hatte verschwand so höflich und schnell wie er gekommen war. Erst nach weitergehendem Studieren der Karte ließ er seinen Blick von ihr ab und musterte den Brief. Nachdem er erkannte, dass der Absender die Bastion von Stratholme war, stufte er den Brief in seinen Gedanken als wichtig ein, da dies das Kommando des Scharlachroten Kreuzzuges war. Er griff zu einem Brieföffner, schnitt ihn auf und entnahm das Pergament, auf welchem ein roter Stempel in Kreuzform prangte. Während er die Zeilen las verfinsterte sich seine Mine zunehmend, ernst faltete er ihn danach zusammen und blies die am Tisch brennende Kerze aus ehe er den Raum verließ.

Etwa 4 Tage später vernahm er ein schmatzendes Geräusch, als er vom Steigbügel seines Rosses stieg und seine Plattenstiefel die verregneten Pflastersteine der Brücke von Stratholme berührten. Hinter ihm befanden sich Fünfzig Mann in gleicher Uniform wie er, sie standen in militärischer Formation im schüttenden Regen, der Himmel war verdunkelt von dunklen Wolken, das Wasser unter der Brücke schimmerte schwärzlich. Girion nickte ihnen zu und kehrte seinen Männern den Rücken zu, welche in gleichbleibenden Abstand folgten, mit der Ausnahme von zweien. Einer ging stets an seiner linken, der andere an seiner rechten Seite. Die Hauptstraße war totenstill, ausgebrannte Gebäude und verbrannte Bäume zierten den Gehsteigrand. Die Männer suchten unentwegt mit den Augen die Fassaden ab, weichten jeglichem verdächtigen Objekt wie Kisten oder Fässern aus. Nach einigen Minuten erreichten sie im strömenden Regen die Feststraße. Girion hob seine linke Hand bis zum Ellbogen waagrecht zur Seite, seinen Unterarm richtete er nach oben. Sofort rannten Soldaten halbkreisförmig gen Feststraße und errichteten eine Kette. So gingen sie weiter vor, die Stille war bedrückend.


Plötzlich sprang etwas Dunkles auf einen der Männer, welcher umgehend zu Boden gerissen wurde, seine Kameraden halfen ihm umgehend und stachen das Wesen ab. Leicht verletzt reihte er sich auf Befehl hinten ein und hielt mit einer Hand seine Brust. Der Weg führte sie zu einem Platz, an welchem mehrere Figuren standen. Der Brunnen in der Mitte wurde von einer halb zerstörten Steinstatue geziert, welche eine Hochelfe zeigte. Girion musterte sie einen Moment lang und sah dann zu den Gestalten ehe er sein Schwert zog. Als seine Männer wachsam näher kamen gab die Gruppe merkwürdige zischende Geräusche von sich, ehe sie in ihre Richtung zu rennen begannen. Sie hinterließen blutige Spuren und gaben einen üblen Gestank von sich. Mit Schilden zur Wehr entgegen haltend schützen sich die Soldaten vor den Angreifern, die zweite Reihe wirkte Lichtzauber. Die Kreaturen zerbrachen bevor sie die erste Reihe erreichen konnten, ihre Überreste blieben am dunklen Boden liegen.
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Völlig durchnässt zog den Konvoi weiter gen Platz des Lichts, am Ende der Straße konnte man den Eingang der Burg der Silbernen Hand erkennen, welche nach deren Untergang zu den Hallen des Oberkommandos des Kreuzzuges umfunktioniert worden waren. Davor waren bereits etliche rotegekleidete Gestalten zu sehen. Girion sah zu seinen Männern, und sprach: „Es ist nicht mehr weit, wir gehen vor wie bisher.“ So geschah es. Etwa 200 Meter noch, dann würde der Trupp auf ihre Verbündeten der Purpurroten Legion stoßen. Da geschah es – etwas berührte Girions Hand, welcher sogleich nach rechts sah und eine brünette abgemagerte Frau erkannte, welche mit letzter Kraft seine Hand hielt und ihn mit leerem Blick anstarrte. Sie öffnete langsam ihren Mund, ihre Haare waren dünn und hatten einen gräulichen Ansatz. Sie trug eine edle Robe, welche jedoch verstaubt und teilweise zerrissen war. Sie brach auf die Knie, immer noch seine Hand haltend sah sie zu ihm hoch, ehe sich ihre Lippen bewegten und sie mehr flüsterte als sagte: „Bitte…helft uns…“


Girions Augen erwiderten ihren Blick kalt, er sah durch sie hindurch und sagte: „Nur das Licht kann euch noch retten.“ So holte er mit seinem Schwert auf und traf sie zwischen Schultern und Kopf, enthauptet sank der leblose Körper zu Boden, er sah der Frau zu, bis sie leblos am Boden lag. „Zündet die Leiche an“. Als die Männer sie in Fackeln aufgehen sahen, schüttelte ein Unteroffizier nur den Kopf und stotterte, völlig aufgelöst nach dem Vorfall: „Sire…Ihr…diese Frau war am Leben…Sie…“ „Schweigt. Stellt diethumb|left|link=Datei:530.jpg Handlung eines Offiziers nicht in Frage.“ Der Mann schüttelte entsetzt den Kopf. „Ich…kann nicht glauben was ich gerade sehen musste. Ich…ich kann das nichtmehr.“ Mit diesen Worten löste er seine silberne Spange von der Brust und ließ sie zu Boden fallen. Er salutierte Girion zu und ging mit gesenktem Blick den Weg zurück, den sie gekommen waren. Girion sagte zu einem Armbrustschützen, welcher eben zu ihm sah und nickte, sein Gesicht war ausdruckslos. Der Unteroffizier sackte tot vom Bolzen in den Rücken getroffen auf die Knie, sein Oberkörper schlug danach am nassen Boden auf. Er schrie mit letzter Kraft: „Argh….seid verflucht, Hauptmann….auf dass ihr wie ich eure Familie verlieren sollte und euer ganzer Reichtum euch nicht mehr glücklich machen kann…. Lordaeron…ist….verloren….und ihr….seid es….mit ihm.“ Daraufhin blieb der Mann regungslos am Boden liegen, ein Blutlack breitete sich aus. „Gibt es sonst noch jemanden, der es erwägt umzukehren?“ Ironisch musterte er die bleichen Gesichter der teilweise zitternden Männer, keiner sagte etwas, einige schüttelten den Kopf. „Dann vorwärts marsch!“


Sie erreichten nach etwa einer Viertelstunde den Durchgang zum Platz, die Purpurlegion war im Kampf mit der Geißel verwickelt, so eilte Girions Truppe ihnen zu Hilfe und Schlug eine Bresche durch die Skelette und Ghule, bis sie schließlich zu ihnen vorstießen. Als einziger schritt Girion die Stufen zu den Hallen des Oberkommandos hinauf, andere salutierten vor ihm und er vor ihnen. Seine Männer standen zusammen, etwas abseits von den anderen Scharlachroten Truppen, als der Offizier von der Bildfläche verschwunden waren, begann ein lautstarkes Gespräch über Wahnsinn und Fanatismus. Einen Satz hörten mehrere Soldaten die im Umfeld standen einen von Girions Männern sagen: „Dieser Mann ist schlimmer als die Geißel“ Der Regen hatte währenddessen aufgehört, der Himmel sollte aber bewölkt bleiben. Über Stratholme. Über Lordaeron. Über Girion.